Schrötter
Elektrotechnik

Tchibo.de - Jede Woche eine neue Welt!

Musikantendorf Hundeshagen

Historisches Teil1 Teil2

Heimatfest 1921

Zigarrenindustrie

Bienenzucht

Gemeindediener

Das Jahr 1945.

Werte Besucher des Musikantendorfes Hundeshagen

Hundeshagen ist weit und breit als eichsfeldisches Musikantendorf bekannt, von dessen Einwohnern ein groáer Teil Jahr für Jahr in die verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes hinauszog, um durch Gesang und Musik ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Hundeshagen wir am 15. April 1282 das erstemal urkundlich erwähnt und ist ringsum von bewaldeten Höhen umgeben. Das zur Flur Hundeshagen gehörende Ackerland liegt zum größten Teil an Abhängen der Erhebungen und war sehr schwer zu bearbeiten. Schon früh waren deshalb die Bewohner auf Beschäftigung von auáerhalb der Heimat angewiesen.

Die Entstehung des Wandergewerbes erklärt sich aus der wirtschaftlichen Not der Bevölkerung und einer von außn kommenden Anregung.

Die Herren von Westernhagen, deren Gerichtsbarkeit der Ort Hundeshagen unterstand, ließen Ende des 17. Jahrunderts auf ihrem Grund und Boden, in der Nähe des Dorfes, die Kolonie " Freiheit " entstehen, indem sie dort, wie der Kommisariatsassesor Satorius schreibt ( 1798 ) jeden aufnahmen, der den Schutz bezahlte.
( Quelle : Kommissariatsarchiv Heiligenstadt ).

Da ließ sich der aus Zwickau ( Böhmen ) stammende Josef Neumann auf der " Freiheit " nieder und verheiratete sich mit einer Elisabeth Siblitz um 1780. Die Eheschließung ist in Kirchenbüchern nicht eingetragen, aber am 02. April 1781 ist die Taufe ihres Sohnes Christoph und am 15. April 1785 ihrer Tochter Anna eingetragen. Herr Neumann spielte eine ganze Reihe von Instrumenten und wußte seine junge Frau, die sehr musikalische war, für diese edle Kunst zu begeistern. Er brachte ihr selbst als tüchtiger Musiklehrer das Spielen auf der Begleitharfe bei. Dann zogen sie zusammen auf Wanderschaft und machten Musik, wo immer sich Gelegenheit bot. Die Musik dieser Familie Neumann fand Beifall und das Publikum zeigte sich durch Geldspenden dankbar. Dabei lebten sie so sparsam, wie sie es gewohnt waren. Nach Monaten kamen sie wieder nach Hause und hatten ein gutes Sümmchen erspielt. Dieser Erfolg im baren Gelde, welcher damals selten auf dem Lande war, erwarb dem eigenartigen Erwerbszweig schnell neue Freunde und Anhänger. Man kaufte Instrumente wie Harfen, Geigen und Gittaren und ging bei Familie Neumann in die Lehre.

Der am Anfang erwähnte "Satorius" schreibt 1798, daß die meisten Bewohner der "Freiheit" als Musikanten einen Teil des Jahres umherziehen, in kleinen Kapellen, 3 - 4 Personen stark.
Im Laufe der Jahre bildeten sich dann Harfenistenkapellen, Blaskapellen ( 6 - 8 Mann stak ); aber auch einzelne Personen die mit Drehorgel oder Gläserkasten durch die Lande zogen.
Lange Jahre hindurch war das Reisen recht beschwerlich. Fast alle Strecken wurden zu Fuß zurückgelegt. Manchmal waren sie froh, wenn sie am Waldesrande, in irgend einer engen Schlucht, an einem Bache einen geeigneten Ort fanden, wo sie ein Feuer anzündeten und lagern konnten. Kamen sie an einen größeren Ort, so war der erste Gang zum Bürgermeister, um die erforderliche Spielerlaubnis einzuholen, welche auch nur selten verweigert wurde. Erst dann begann das Musizieren auf den Straßen und öffentlichen Plätzen. In den Pausen wurde das Geld eingesammelt und zugleich das Gasthaus bekannt gegeben, wo am Abend gespielt wurde. Dort fanden sich dann interssierte Leute ein und das Singen und Spielen ging dann bis tief in die Nacht hinein, manchesmal auch bis zum hellen Morgen, solange eben Gäste blieben und zahlten.
Die Anzahl der Kapellen nahm enorm zu, als sie ihre Wegstrecke mit der Eisenbahn zurücklegen konnten. Seit dieser Zeit findet man Hundeshagener Musikanten in allen preußischen Provinzen, in Bayern, in Baden und Sachsen, in Oldenburg und Thüringen. Besondere Anziehungspunkte waren der Kölner Karneval, die Fürther Kirchweih, die Ulmer Dult, der Bremer Freimarkt sowie das Münchener Oktoberfest. Auch in der Reichshauptstadt Berlin waren sie bekannt.
Als besonders gute und tüchtige Kapellen galten die von Karl Nachtwey, Michael Pfeil, Johannes Mollenhauer, Josef und Christian Artmann und Gottfried Müller.
Durch die lange Ausübung dieses Berufes haben sich die Hundeshagener Musiker an ihr Gewerbe und ihre eigenartige Lebensweise gewöhnt. Behördlicherseits hat man wiederholt den Versuch unternommen, daß Wandergewerbe einzuschränken und die umherziehenden Musiker anderen Berufen zu zuführen.

Schon 1848 war von solchen Maßnahmen der Erfurter Regierung die Rede. 1867 weist die gleiche Behörde darauf hin und erhöhte die Gewerbesteuer. Der Erfolg blieb jedoch aus, denn die Musikgesellschaften mehrten sich beständig. Auch ließ man sich bei den nach 1900 gegründeten Zigarrenfabriken nicht irre machen. Man versprach gute Verdienstmöglichkeiten am Ort, aber man ging weiter auf die Reise (so sagte man).

Im zeiten Weltkrieg ruhte sebstverständlich die Musik. Die Männer mußten zur Wehrmacht und vergossen ihr Blut für das Vaterland, die Harfenmädchen fanden zum Teil Beschäftingung in den Munitionsfabriken.
Nach Beendigung des Krieges wurden die Hundeshagener wieder Musiker, 1936/37 waren sie sogar durch die Reichsmusikkammer von der drückenden Gewerbesteuer und von der Pflicht, die Spielerlaubnis einzuholen, befreit und brauchten nur einen monatlichen Beitrag zu zahlen. Dieser außergewöhnliche Vergünstigung wurde bald zurückgezogen. Nur mit Mühe haben 1938 30 Musikgesellschaften ihren Gewerbeschein erhalten, während es 1914 noch 80 waren. Auch kam das vorgeschriebene Landjahr für die Mädchen zur Anwendung und die Männer sollten in der Heimat arbeiten, da Arbeitskräfte fehlten.

 

Das damalige SED - Regime untersagte dann im Jahre 1958 ganz dem Wandergewerbe nachzugehen und man stellte keine Gewerbegenehmigungen mehr aus. Somit war das "AUS" der Wandermusikanten besiegelt.
Nun mußte man sich eine andere Arbeit suchen um für die Familie den Lebensunterhalt zu verdienen. Ein großer Teil der Hundeshagener Wandermusikanten suchten sich Arbeit in der Fremde und waren die ganze Woche nicht zu Haue (Maurer, Zimmerleute - handwerkliche Berufe). Ein anderer Teil nutzte auch die Saisonarbeit wie z.B. im Herbst zur Zuckerfabrik nach Oldisleben und Sangerhausen. Ein geringer Teil blieb auch im Ort, wo eine Zigarrenfabrik existierte (Zweigstelle von Gildemann aus Dingelstädt).
Als die Zigarrenfabrick im Jahre 1970 geschlossen wurde fanden viele Hundeshagener ihre neue Arbeitsstelle in der Baumwollspinnerei und Zwirnerei Leinefelde, sowie in der damaligen Zentronik in Worbis; später dann auch im Eichsfelder Zementwerk in Deuna.

Ein sehr geringer Teil der Hundeshagener arbeiten nach der langersehnten Wende und Einheit noch in diesen Betrieben; viele jedoch auch in den alten Bundeslndern, weil sie dort Arbeit gefunden haben um mehr Geld zu verdienen. Dabei fahren sie täglich bis zu 150 km um zur Arbeit und nach Hause zu kommen.